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Du hast schon einmal gelebt

Wiedergeburt? Erinnerungen in der Hypnose

©2013 0 Seiten

Zusammenfassung

Haben wir schon einmal gelebt? Erinnerungen an Vor-Existenzen
Menschen, die sich an ein früheres Leben erinnern können, hat es zu allen Zeiten gegeben. Oft haben sie mit ihren präzisen, detaillierten Schilderungen der einstigen Existenz selbst Wissenschaftler verblüfft, die sich mit dem Phänomen Reinkarnation nicht befassen wollten. Heute behaupten Arzte, Psychologen, Psychiater und Parapsychologen, dass jeder Mensch die »Reise in seine eigene Vorvergangenheit« antreten kann. Der Chefarzt Dr. Claus Bick, der Psychologe Thorwald Dethlefsen und andere Koryphäen haben Hunderten von Menschen geholfen, sich in Hypnose an ihr »Leben vor dem Leben« zu erinnern. Die Verfechter der Reinkarnationslehre sind der Überzeugung, dass die Konfrontation mit dem Vor-Leben psychische Krankheiten beeinflussen, heilen kann. Denn nicht nur Kindheitserlebnisse, sondern auch die Erfahrungen früherer Existenzen sind Auslöser unserer Verhaltensstörungen.Kurt Allgeier hat die sensationellsten Protokolle von Wiedergeburtserinnerungen für dieses Buch ausgewertet. Sein Bericht zeigt auf, dass der Wissenschaft die letzten Beweise für die Reinkarnationstheorie noch fehlen. Doch die Kausalkette scheint sich zu schließen ...

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis


Statt eines Vorwortes

Schon immer und zu allen Zeiten haben Menschen von sich behauptet: »Ich habe schon einmal gelebt. Ich kann mich an ein früheres Leben erinnern.« Viele von ihnen konnten tatsächlich zahlreiche und präzise Einzelheiten nennen, in längst vergessenen Sprachen reden oder sich durch Muttermale am Ort früherer Verletzungen »ausweisen«.

Einige Menschen haben kurz vor ihrem Tod angekündigt: »Ich komme wieder. Ihr werdet mich wiedererkennen.« Und sie nannten Zeichen, die ihre Wiedergeburt beweisen sollten. Hinterher gab es dann wirklich auch die Behauptung: »Es hat alles gestimmt. Er ist zurückgekehrt. Wir haben ihn, wie vereinbart, ›wiedererkannt‹.«

Eine Reihe solcher »Reinkarnationen« ist wissenschaftlich exakt überprüft worden.

Geblieben ist stets die uralte, ungelöste Frage: Was steckt wirklich dahinter?

Geblieben ist in den christlichen Ländern unserer Erde die entschiedene Ablehnung: »Die Wiedergeburt gibt es nicht. Also muss sich für alles eine andere Erklärung finden lassen.«

In unseren Tagen nun passiert etwas Ungeheuerliches. Eine stets wachsende Zahl von Ärzten, Psychiatern, Psychotherapeuten und Parapsychologen behauptet: »Jeder Mensch kann die Reise in seine Vergangenheit antreten. Das Gedächtnis geht über den Augenblick der Geburt, ja sogar über den Moment der Zeugung hinaus. Und dann tauchen frühere Leben aus dem dunklen auf. Leben mit Fleisch und Blut. Genau abgegrenzte Schicksale.«

Viele hundert Menschen haben inzwischen diese Rückführung in ein früheres Leben mitgemacht. Sie fanden nicht nur eine Inkarnation, sondern manchmal sieben, acht oder gar 15 Leben.

15mal geboren werden. 15mal wachsen und welken.

15mal lieben und hassen, bangen und zagen.

Das Aufregende an diesen Geschichten: Mit dem erneuten Erleben der einstigen Freuden und Leiden können angeblich gegenwärtig psychische Probleme und Erkrankungen geheilt werden. Neuerdings ist sogar die Behauptung aufgestellt worden: Alle psychischen Erkrankungen hätten ihre Ursache in einem früheren Leben.

Die Psychoanalyse Sigmund Freuds blieb nicht länger auf Erlebnisse in der Jugend und Kindheit beschränkt – sie wird ausgeweitet auf das ganze Leben. Auf Empfindungen, Erfahrungen, Erlebnisse im Mutterleib, auf Ängste, Komplexe, Verstrickungen, Leiden und Versagen in früheren Inkarnationen.

Sollte es tatsächlich möglich sein, dass wir heute leiden müssen, weil wir früher einmal versagten?

Damit ist die Frage nach dem Leben vor dem Leben in ein ganz neues Stadium getreten. Und sie stellt sich drängender als jemals zuvor: Sind wir alle miteinander mehr als dieses gegenwärtige Leben? Können wir uns selbst finden, indem wir das tief in unserer Seele verborgene »Gedächtnis« aufwecken?

Dieses Buch ist kein Versuch, die Wiedergeburt zu beweisen.

Noch scheint dies mit letzter Sicherheit nicht möglich zu sein. Hier wird aber wohl zum ersten Mal aus allen Richtungen zusammengetragen, was sich heute zur Frage der Wiedergeburt sagen lässt. Was von den verschiedensten Seiten unternommen wird im Bemühen, sich einen Schritt näher an das Problem heranzutasten.

Zeugen und Zeugnisse sollen für sich sprechen und Anregungen zu eigenen Überlegungen geben. Ihre Gesamtschau ist sicher deutlicher als der Einzelfall.

Mit Rücksicht auf Patienten und Versuchspersonen sind deren Namen in fast allen Fällen verändert worden. In drei Fällen versagten auch Ärzte, die sich mit der Reinkarnation befassen und uns ihr Material zur Verfügung stellten, die Erlaubnis, ihren Namen zu nennen. In Verbindung mit Reinkarnation, so fürchteten sie, könnte ihr guter Ruf Schaden leiden. Noch sind wir nicht soweit, dass die Beschäftigung mit der Frage der Wiedergeburt etwas Selbstverständliches wäre.

Information über das Thema Wiedergeburt – das hat nichts mit Neugierde, auch nichts mit Frevel, schon gar nichts mit Ketzerei zu tun. Es geht letztlich um die drängendste Frage unserer Existenz: Wer sind wir?

7. Kapitel

»Ich muss wieder zurück«

Er ist außer sich, das sagt man so dahin. Aber viele Menschen glauben, es wirklich erfahren zu haben: Das »Ich« verließ den Körper. War frei von jeder Bindung an Ort und Zeit und erlebte die abenteuerlichsten Dinge. Der französische Sänger Serge Lama war nach einem schweren Autounfall tot – erlebte seine anderen Leben …

»Herzstillstand. Er ist tot!«

Die junge Schwester am Narkosegerät im Krankenhaus von Aix-en-Provence in Südfrankreich schluchzt. Das ist der schlimmste Augenblick ihres Berufslebens. Sie hat schon manchen Patienten sterben sehen. Doch diesmal ist das anders. Auf dem Operationstisch liegt ihr Idol, der Sänger Serge Lama. Seit über einer Stunde versuchen die Ärzte, sein Leben zu retten. Vergeblich. Serge Lamas Verletzungen nach einem entsetzlichen Autounfall sind zu schwer. Auch eine Operation, bei der die zerfetzte Milz entfernt wurde, konnte ihn nicht mehr retten. Serge Lama stirbt. Ein Star, erst 22 Jahre alt und doch schon strahlend, glänzend in steilem Aufstieg, erlischt.

»Nein. Sie müssen ihn retten«, bettelt die Schwester außer Sinnen. »Er muss leben.«

Das Ärzteteam beachtet sie nicht. Noch bevor die Operationswunde verschlossen wird, erhält der »Tote« eine Spritze in das Herz. Und dann verrichten die erschöpften Ärzte noch einmal Schwerstarbeit, um das Leben des jungen Sängers doch noch zu retten. Sie kneten und pumpen mit letzten Kräften und blicken immer wieder besorgt auf den kleinen Bildschirm neben dem Operationstisch. Doch der grüne Punkt rührt sich nicht. Der erhoffte Piepton bleibt aus.

»Herrgott, hilf!« stöhnt die Narkoseschwester. Und im selben Augenblick passiert das Wunder. Der Punkt auf dem Monitor bewegt sich. Und dann ist der Herzschlag auch zu hören. Noch stockend, zögernd, dann immer gleichmäßiger, ruhiger. Serge Lama lebt wieder. Die Operation kann beendet werden. Zwar bleibt der Zustand äußerst kritisch. Der Sänger ist drei Tage lang ohne Bewusstsein. Er liegt unter dem Sauerstoffzelt und ist, der vielen Knochenbrüche wegen, eingewickelt wie eine Mumie.

Doch sein Herz schlägt wieder. Und dann spricht er sogar. Ganz leise, kaum verständlich murmelt er: »Ich hab sie gesehen. Drüben. Ich hab sie getroffen. Am Fenster. In Paris.«

»Er träumt«, flüstert die Schwester glücklich. Doch der Arzt schüttelt den Kopf. »Möglich. Ich würde aber zu gerne erfahren, was unser Sänger mit ›drüben‹ meint. Was er erlebt hat, während sein Herz stillstand. Ich glaube fast, das war mehr als nur ein Traum.«

Erst Monate später sollte der Arzt erfahren, dass seine Vermutung richtig war.

Im Augenblick des Todes, beispielsweise bei einem Absturz in den Bergen oder während einer Katastrophe, sehen viele Menschen in Sekundenschnelle ihr ganzes Leben wie in einem Film an sich vorbeiziehen. Alle Erinnerungen sind plötzlich lebendig. Längst Vergessenes ist kristallklar gegenwärtig.

Serge Lama erzählte später, er habe nicht nur sein jetziges Leben, sondern auch frühere Leben gesehen. Er erlebte sich als Mönch im 13. Jahrhundert, und er traf seine Braut aus den Tagen der Französischen Revolution. Er, der jetzt, im Jahre 1965, mit dem Tod rang, bekam sogar den Beweis dafür, dass sie und er damals, vor 200 Jahren, tatsächlich lebten und sich liebten …

Serge Lama hatte schon immer das dumpfe Gefühl: Ich habe schon einmal gelebt. Ganz deutlich wurde es, als er mit seiner Künstlertruppe eines Tages in die alte französische Stadt Carcassonne kam. Hier erschien ihm alles bekannt und vertraut. Bevor er in einer der kleinen Gassen um eine Ecke bog, wusste er, was ihn dahinter erwartet. Beim Betreten der Herberge in der uralten Westgotenfestung begann sein Herz heftig zu pochen. Zu seinen Freunden sagte er: »Passt auf, jetzt geht es gleich drei Stufen abwärts. Und dann seht ihr ganz hinten rechts eine wunderschöne Holztreppe. Mein Gott, mir ist, als wäre ich endlich nach vielen Jahren heimgekehrt.«

Nie zuvor war Serge Lama in Carcassonne gewesen. Doch er besaß eine Erinnerung, die nicht trog. Es gab die Stufen, die Holztreppe, die Verschnörkelungen an rauchgeschwärzten Deckenbalken und viele andere Dinge.

Ebenso merkwürdig erging es dem Sänger immer, wenn er in Paris weilte und sich in der Gegend der Kathedrale Notre-Dame aufhielt. Ihn überfiel alsbald ein unerklärlicher Schmerz. So, als habe er eben einen besonders lieben Freund verloren. Als wäre er besonders einsam und verlassen. Hier im Schatten der alten Häuser konnte er nicht singen und nicht lustig sein. Irgendetwas schnürte ihm die Kehle zu.

Aber was war es?

Das Kreuz in der Fensterbank

Im Augenblick des Todes nach dem Autounfall sollte Serge Lama es erfahren.

Das tragische Unglück passierte an einem heißen Sommertag 1965. Mit seiner Verlobten Madeleine und dem Freund Enrico Macias fuhr Serge von Marseille nach Aix-en-Provence. Die drei waren unbekümmert, heiter, vielleicht sogar ausgelassen. Sie fuhren schnell. Zu schnell. In einer Kurve geriet der Wagen ins Schleudern und prallte gegen einen Baum. Serge spürte noch, wie er aus dem Sitz geschleudert wurde, dann verlor er das Bewusstsein. Als er drei Tage später wieder zu sich kam, kostete es ihn viel Mühe, sich in der Gegenwart zurechtzufinden. Sehr einsilbig und in sich gekehrt lag er da. Die Nachricht, dass Madeleine und Enrico bei dem Unfall getötet wurden, war für ihn nicht neu. »Ich weiß. Ich traf sie ja. Drüben«, sagte er und schwieg, als hätte er bereits zuviel verraten.

»Was war denn da drüben?« bohrte die Krankenschwester. Doch der Sänger wandte sich ab und berührte das Thema nicht mehr. Eineinhalb Jahre lang. So lange musste er liegen, bis die zerschmetterten Beine endlich wieder langsam heil wurden. Der erste Weg, noch auf Krücken, führte ihn dann aber nach Paris. Er ließ sich zu einem Hotel in der Altstadt, Quartier de Marais, gegenüber der Kathedrale von Notre-Dame, bringen. Dort stieg er in den Innenhof, ging auf ein Fenster zu, wischte den dicken Staub von der steinernen Fensterbank und starrte gebannt auf ein eingeritztes Kreuz. »Es ist da. Genau so, wie sie gesagt hat.«

Jetzt erst erzählte Serge Lama seinen Freunden von der aufregenden Reise in die Vergangenheit im Augenblick des Sterbens.

Zuerst war da nur ein blendend weißes Licht. Ein Licht wie ein ewig dauernder greller Blitz. Unvorstellbar hell und durchdringend. Das Bersten und Krachen des Zusammenstoßes hallte wider, als würde der Schall von hundert Wänden zurückgeworfen.

Und dann passierte etwas Merkwürdiges: »Plötzlich«, so erzählte Serge Lama, »waren alle Schmerzen vorbei. Ich befand mich am Ort des Unfalls wie ein Zuschauer. Ich sah auf meinen blutenden, verletzten Körper herab. Ich schwebte gleichsam darüber. Mit einem neuen Körper aus einem anderen Stoff. Ich hatte mich verdoppelt, den alten Körper abgelegt. Ich konnte sehen und hören und mich frei bewegen. Aber alles war anders. Ich wusste: Das da unten bist du. Und das, was darüber schwebt, das bist du auch. Ich bin irgendwo in einer anderen Welt.«

Aber wo waren die anderen? Enrico und Madeleine? Serge Lama hörte eine weinende Stimme. Er sah Madeleine wie durch einen dichten Schleier. Er wollte hin zu ihr, sie in die Arme schließen, aber zwischen der Verlobten und ihm war eine unsichtbare Schranke. Er konnte nicht hinüber. Und Madeleine konnte nicht zu ihm. Sie entfernte sich immer mehr, bis er sie nicht mehr sehen konnte. In diesem Augenblick wurde Serge klar: Madeleine ist tot. Ich lebe noch. Deshalb darf ich noch nicht dorthin gelangen, wo sie sich befindet.

Aber wo befand er sich, wenn er tot und doch nicht tot, von seinem Körper getrennt und doch noch am Leben war? Serge fand keine Zeit, darüber nachzugrübeln, denn jetzt begann für ihn die Reise in seine früheren Leben.

Übergangslos ist er plötzlich in Carcassonne. In der riesigen Festung mit ihren 52 Türmen und fünf Bastionen. Serge ist Mönch. In seiner weißschwarzen zerrissenen Kutte sitzt er mit Soldaten und Ordensbrüdern in eben jener Herberge, die ihm auf seiner Tournee durch Südfrankreich so bekannt vorkam. Es ist Krieg. Glaubenskrieg. Serge und seine Freunde, die Albigenser, werden blutig verfolgt, weil sie sich von der Kirche getrennt und eine eigene Sekte gegründet haben. Graf Simon von Montfort belagerte die Festung seit Wochen, und es sieht für die Belagerten bös aus. Man schreibt das Jahr 1210.

Die Stimmung in der Herberge ist gedrückt. Plötzlich wird die Tür aufgestoßen. Waffen und Rüstungen blitzen. Soldaten dringen in den Raum. Es entsteht ein wildes Kampfgetümmel. Die Angegriffenen haben keine Chance. Serge flieht in den Keller und von dort durch einen Geheimgang aus der Festung hinter den Berg. Von seinem Versteck aus sieht er auf der anderen Seite des Flusses die Scheiterhaufen brennen. Die gefangenen Ketzer werden von der Inquisition hingerichtet. Viele hundert. Seine besten Freunde sind darunter. Er selbst ist noch einmal davongekommen.

Deshalb also ist ihm Carcassonne und seine Herberge so bekannt vorgekommen? Hat Serge tatsächlich schon einmal als Mönch vor über 700 Jahren gelebt?

Die Reise geht weiter. Serge Lama ist noch erschüttert von dem, was ihm eben begegnete, da steht er bereits mitten in einer neuen Szene.

Er ist in Paris. Und wieder klirren die Waffen, donnern die Musketen und Kanonen, schreien Verwundete und Misshandelte. 10. August 1792. Die Sansculotten stürmen die Tuilerien. Der König ist gefangen. Die Adeligen werden auf Schandkarren zur Guillotine gefahren. Pausenlos. Die Menge grölt.

Serge steht im Innenhof eines Hotels im Zentrum von Paris. In seinen Armen liegt Françoise, seine wunderschöne Geliebte. Es heißt Abschied nehmen. Françoise zittert. Die tiefbraunen, warmen Augen ertrinken in der Flut der Tränen. Sie küsst ihn heftig, presst sich so fest an ihn, dass das kostbare, steife Kleid wie ein Fächer nach hinten absteht.

Serge muss gehen. Sein Freund drängt. Fast gewaltsam reißt er sich aus den Armen seiner Geliebten.

Noch einmal dreht er sich um und winkt zurück. Françoise eilt auf ihn zu und flüstert: »Wenn ich verhaftet werde, ritze ich ein Kreuz in diesen Stein. Wenn du zurückkehrst und mich nicht vorfindest, dann schau nach, ob das Kreuz da ist. Wenn du es entdeckst, dann weißt du, dass sie mich zum Schafott geführt haben.«

Françoise deutet auf jenes Fenster, das Serge Lama nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus gesucht und gefunden hat.

Dieses Kreuz in der Fensterbank – konnte seine Entdeckung ein Zufall sein? Hatte Serge womöglich schon zweimal gelebt, einmal als abtrünniger Mönch, einmal als Adliger zur Zeit der Französischen Revolution? Wieso sahen Madeleine, seine Braut, die beim Autounfall 1965 ums Leben kam, und Françoise, die Comtesse, die vor 200 Jahren enthauptet wurde, einander zum Verwechseln ähnlich?

Fragen über Fragen. Weder Serge Lama noch Wissenschaftler können sie beantworten.

Der französische Sänger, der 1969 eine neue Karriere startete und besonders 1973 Welterfolge feierte, ist überzeugt: »Ich habe schon mehrfach gelebt. Als ich im Hotel in Paris das Kreuz fand, war das für mich nur das letzte Beweisstück. Im Grunde habe ich es schon immer gewusst.« (8)

So wie er denken viele, die an einem fremden Ort plötzlich das Gefühl haben: Hier bin ich schon einmal gewesen, obwohl sie doch genau wissen, es ist nicht so. Zumindest kam ich in meinem bisherigen Leben nicht hierher.

Was und wo ist »drüben«?

Etwas ganz anderes fasziniert an dieser Geschichte: Der französische Sänger Serge Lama, der zumindest für sich selbst den Beweis fand, dass er schon einmal gelebt hat, war in der Zeit, in der sein Herz stillstand, irgendwo »drüben«. Und da drüben konnte er sich ungehindert von Raum und Zeit bewegen. Sein »Ich«, seine Seele oder wie immer man das nennen mag, hatte sich vom Körper getrennt. Er war nicht tot, und das wusste er offensichtlich auch, denn er konnte seiner Verlobten Madeleine, die beim Autounfall ums Leben gekommen war, nicht in das wirkliche Jenseits folgen. Eine »unsichtbare Schranke« hielt ihn zurück. Aber wo befand er sich – lebend ohne Körper? In welchem Zustand war er ohne den materiellen Organismus, den er wie ein zerrissenes Kleid abgestreift hatte?

An dieser Stelle treffen sich die Tonbandprotokolle von Hypnosesitzungen mit den Berichten jener Menschen, die vorübergehend klinisch tot waren, durch die Kunst der Ärzte aber wieder ins Leben zurückgerufen wurden. Die Übereinstimmungen sind frappierend. Beide schildern einen Zustand, in dem sie vom Körper getrennt sind – aber empfinden, fühlen, sehen, hören können. Beide leben ohne Körper, sind irgendwo drüben, aber nicht tot und nicht im Himmel.

Die Münchnerin Frau Hedi Hovard war zwei Minuten lang klinisch tot. Das Herz hatte aufgehört zu schlagen, Puls und Atem standen still. Die 52jährige erzählt über diesen Augenblick am 24. September 1974:

»Ich lag nach einer schweren Operation in der Rinecker-Klinik in München. Die Strapazen waren fast überstanden, ich dachte schon an meine Entlassung. Da passierte es. Es war am dritten Tag nach der Operation. Ich fühlte mich plötzlich so merkwürdig und läutete der Schwester. Sie kam und gab mir eine Kalziumspritze. Im selben Augenblick blieb mir die Luft weg. Ich riss den Mund auf, rang nach Atem. Ich spürte noch, wie sich alles in mir verkrampfte, als bedrängten alle Organe das Herz, bekam irrsinnige Todesangst, und dann war es schlagartig aus. ›Jetzt bist du tot‹, dachte ich noch. Die Schmerzen, die Verkrampfungen, die Angst, alles war wie weggeblasen.

Dann wurde ich durch eine sehr enge, dunkle Röhre aus dem Körper hinausgepresst. Das war wie Geborenwerden – nur umgekehrt. Ich fühlte mich plötzlich ganz wundersam leicht, befreit, schwebend. Und unsagbar glücklich. Ich wusste, dass ich von meinem kranken Leib getrennt war. Um mich herum flutete eine Helligkeit, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Es war unglaublich hell. Aber dieses Licht blendete mich nicht.

Ich kam mir vor, als wäre ich eine kleine runde Wolke. Eine große Wärme hüllte mich ein. Ich schwebte auf die Helligkeit zu, angezogen von unirdischen Klängen, einer Art Sphärenmusik von unfassbarem Wohlklang …«

Frau Hovard musste zurück. Zurück durch die Lichtfülle, zurück durch die viel zu enge Röhre, zurück in den kranken Körper.

Hatte sie ihre »Reise nach drüben« nur geträumt oder wirklich erlebt? Half ihr lediglich eine schöne Vorstellung über die schwierigste Minute ihres Lebens hinweg? War ihr Geist beim Versagen der körperlichen Funktionen wie der einer Berauschten vielleicht nur von Halluzinationen geblendet?

Das »Jenseits« ist ganz anders

Natürlich denkt man unwillkürlich an so etwas Ähnliches. Andererseits ist das, was Frau Hovard erzählt, überhaupt nicht einzigartig. Viele hundert Menschen behaupten inzwischen, im Augenblick des Todes ganz ähnliche Jenseitserlebnisse gehabt zu haben. Das Merkwürdige dabei: Die Berichte sind einander zum Verwechseln ähnlich, obwohl keiner von den Erfahrungen des anderen wusste.

Da werden nicht etwa Vorstellungen aus der Kindheit oder Bilder aus dem Religionsunterricht lebendig, wie das in Träumen vorkommen kann. Niemand erzählte bisher von der Begegnung mit einem Engel mit Flügeln, Flammenschwert oder Harfe. Niemand begegnete dem Teufel oder einem »letzten Gericht«, das über Glück oder Verdammnis entscheidet.

Stattdessen ist alles so anders, so neu, so unvorstellbar für den, der es nicht erlebt hat, dass es unendlich schwerfällt, dafür passende Begriffe zu finden.

Alle ehemaligen »Toten« haben große Mühe, sich verständlich zu machen. Sie erzählen etwa von der dunklen Röhre und weisen gleichzeitig darauf hin, dass es aber keine Röhre, sondern etwas anderes war. Vielleicht ein unendlich langer Gang oder ein Tunnel. Sie schildern das Licht und versuchen sofort zu erklären, dass es aber mit unserem Licht oder mit den Strahlen der Sonne überhaupt nichts zu tun hat. Das Licht drüben ist kein Licht, sondern eher ein Wesen. Vielleicht etwas Menschliches, vielleicht aber auch etwas Göttliches.

Trotz aller Schwierigkeiten der Erklärung kehrt in den Schilderungen eine ganze Reihe bestimmter Einzelheiten wieder:

Da ist beispielsweise die dunkle »Röhre«, der »Tunnel« oder das »schwarze Loch«, durch das die Seele im Augenblick des Todes hinausgepresst wird. Manchmal vernimmt der Sterbende zusätzlich ein deutliches Knacken oder Brechen, ein unangenehmes Geräusch, das ihm anzeigt, dass sich Leib und Seele voneinander getrennt haben. Immer weiß er ganz bestimmt, dass er jetzt »tot« ist. Das Herz blieb stehen.

Mit diesem Augenblick, das ist ebenfalls in allen Berichten zu finden, hört jedes Leiden, Fürchten, Ängstigen schlagartig auf. Dem »Toten« ist nicht kalt, wie man annehmen sollte, sondern er fühlt sich von einer wohligen Wärme erfüllt. Und er ist unvorstellbar glücklich.

Sodann hat er die Gewissheit, dass er auch ohne Leib noch eine Art Körper besitzt, eine Gestalt mit allen bisherigen Gliedern und Formen. Sie ist federleicht und kann schweben. Sie wandert unbeschadet durch Mauern und Personen hindurch. Sie ist wie eine leichte Wolke, eine Feder, die man davonpusten kann. Sie vermag zu hören und zu sehen. Die Sehkraft ist geradezu unbegrenzt. Der »Tote« blickt gleichzeitig in den Himmel, sieht verstorbene Freunde, Eltern, Geschwister und schaut auf den eigenen Leib auf dem Operationstisch. Nicht selten schwebt die Seele in ihrer neuen Gestalt unter der Decke des Zimmers und beobachtet, wie sich die Ärzte verzweifelt um den toten Körper bemühen. Sie will sich verständlich machen, wird aber nicht gehört und nicht gesehen. Und sie hat nur eine einzige Sorge: Hoffentlich muss ich nicht in meinen Leib zurückkehren.

Schließlich fehlt in den Berichten niemals das geheimnisvolle helle und klare Licht, das so viel Wärme, Glück und Friede vermittelt. Ein Licht, das den Sterbenden magisch anzieht, »heimholt« und gleichzeitig läutert.

Dr. Moody war in seiner Studienzeit zufälligerweise dabei, als ein Hochschulprofessor in kleinem Kreis über seine phantastischen Erlebnisse während des klinischen Todes erzählte. Da war, wie in Hedi Hovards Bericht, die Rede von einem dunklen Kanal, von Licht und Wärme, von unbeschreiblichem Glück und einer gewissen Traurigkeit, wieder ins Leben zurückkehren zu müssen.

Raymond Moody war tief beeindruckt, aber viel zu nüchtern, als dass er dieser Erzählung große Bedeutung beigemessen hätte. Als ihm kurze Zeit später, allerdings wiederum ganz zufällig, ein Student eine fast gleichlautende Schilderung gab, da wurde er hellhörig. Er begann nun, systematisch nachzuforschen, und fand nach und nach über 150 Menschen, die von sich behaupteten, das Jenseits für einen Augenblick erlebt zu haben. Menschen, die fortan vor dem Sterben keine Spur von Angst mehr hatten, sondern sich auf den Augenblick freuten, endlich von jenem beispiellosen Glück erneut, und diesmal für immer, erfüllt zu sein.

Die ersten Ergebnisse wurden im November 1975 veröffentlicht. Inzwischen gibt es von Dr. Moody zwei Bücher über das »Leben nach dem Tod«. (9)

Die berühmte Schweizer Ärztin Dr. Elisabeth Kübler-Ross, die sich seit Jahrzehnten speziell mit dem Sterben befasst, bekannte:

Forschungsarbeiten wie diese bestätigen, was uns seit Jahrtausenden gesagt wird, dass es ein Leben nach dem Tode gibt. Die Befunde zeigen, dass der Sterbende sein Bewusstsein behält und seine Umgebung wahrnimmt, auch nachdem er klinisch für tot erklärt worden ist. Dies deckt sich weitgehend mit meinen eigenen Forschungen.

Auch berühmte Leute waren schon »drüben«

Dr. Moodys Berichte werden auch von einer Reihe sehr prominenter Leute gestützt, die ebenfalls tot waren und noch einmal ins Leben zurückkehren mussten.

Zu ihnen gehört der französische Schauspieler Daniel Gelin. Am 29. Juni 1971 hatte er eine Herzattacke.

Es gelang ihm noch, den Notarzt anzurufen, da brach er im Sessel seines Hotels bewusstlos zusammen. Im Krankenhaus von Tel Aviv starb Gélin. »Plötzlich«, so schildert er den Augenblick, »fühlte ich die Last von mir genommen, die stundenlang meine Brust zu sprengen drohte. Es geschah irgendetwas Seltsames mit mir. Ich schwebte durch das Zimmer und bewegte mich wie ein Schatten zu dem Gerät, das meinen Herzschlag aufzeichnete. Mit Erschrecken stellte ich fest, dass sich die Nadel nicht mehr bewegte. Mein Herz war also zum Stillstand gekommen.«

Charles Aznavour, Schauspieler und Sänger, erlitt am 31. August 1956 einen schweren Verkehrsunfall. 16 Jahre lang schwieg er über das, was er im Augenblick des Sterbens erlebte. Es war einfach zu ungewöhnlich. Es passte nicht in die »gängigen Vorstellungen«, so meinte der Sänger. Denn auch er fühlte sich ganz plötzlich »überaus wohl. Irgendwie erfüllte mich ein ungeheueres Gefühl der Erleichterung. Das war also der Zustand, der uns unser ganzes Leben lang so sehr in Angst versetzte«!

Die beiden Wissenschaftler Dr. Karlis Osis aus Riga und der Isländer Dr. Erlendur Haraldson von der amerikanischen Gesellschaft für psychische Forschungen in New York haben über 1000 Berichte von sterbenden und wiederbelebten Patienten mit wissenschaftlicher Gründlichkeit analysiert. Sie befragten in jahrelanger Arbeit Ärzte und Krankenschwestern und versuchten, das gewonnene Material mit modernen Mitteln der Statistik und Computertechnik zu verarbeiten. Sie kommen zu dem Ergebnis: »Lazarus und tausend andere haben gesprochen. Nach unserem Dafürhalten wäre es weise, der eigentlichen Botschaft Aufmerksamkeit zu schenken, die sie uns in der Stunde des Todes zugeflüstert haben.«

Frau Dr. med. Elisabeth Kübler-Ross schreibt über das Buch (10), das diese Arbeit zusammenfasst, noch deutlicher:

Jeder, der am Leben nach dem Tod interessiert ist, sollte sich die Zeit nehmen, dieses Buch zu lesen. Die Tiefe und sorgfältige Ausarbeitung seines Inhalts gibt uns einmal mehr die Bestätigung für ein Leben nach dem Tod. Vielleicht ebenso wichtig ist, dass hier die Tatsache belegt wird, dass bei der Geburt und im Tod alle Menschen gleich sind …

Vielleicht beweisen die vielen Berichte ehemals klinisch toter Menschen, dass das Leben mit dem Tod des Körpers nicht zu Ende ist. Ein Beweis für die Wiedergeburt können sie nicht sein. Doch sie stimmen völlig mit dem überein, was Menschen in Hypnose über ihren Aufenthalt »zwischen zwei Leben« erzählen. Deshalb wurden sie hier überhaupt erwähnt.

In Hypnose findet das Gedächtnis nämlich nicht nur sogenannte Inkarnationen, also Leben in einem Körper, sondern auch Eindrücke vom Zustand dazwischen:

»Das spielt doch keine Rolle mehr …«

»Wunderbar. Es ist vorbei. Ich habe keine Schmerzen mehr. Nichts kann mich mehr plagen. Jetzt ist alles gut. Sehr gut. Ich habe das Leben hinter mir. Ich fühle mich leicht, ich schwebe. Da unten liegt mein Körper. Sie decken ihn zu. Die Kinder weinen. Das sollten sie nicht tun. Ich muss sie trösten. Ich muss der kleinen Leni über das Haar streichen. Aber sie spürt es ja nicht. Niemand weiß, dass ich noch da bin. Sie sehen mich nicht. Sie können mich auch nicht hören. Sie sind ja noch in ihrem Körper gefangen. Sie sind alle so stumpf. Mein Mann weint auch. Er fühlt sich richtig verloren. Das hätte ich nie gedacht, wo ich doch so eine Last für ihn war. Er macht sich Vorwürfe, weil er mich manchmal betrogen hat. Der Dumme. Das spielt doch alles keine Rolle mehr. Es ist vorbei. Wenn die wüssten, wie wohl ich mich fühle, dann würden sie nicht weinen …«

Die Stimme klingt leise, schwerfällig, monoton. So, als versuche ein todmüder Mensch mit letzter Anstrengung etwas zu erzählen; als gehorche der Körper den geistigen Anstrengungen nur äußerst widerwillig. Manchmal kann man nur ein unverständliches Lallen vernehmen.

Die junge Frau auf der Liege beim Hypnosearzt liegt mit geschlossenen Augen in Hypnose. Das Gesicht verrät keine Regung. Die Augen unter den geschlossenen Lidern stehen ganz still.

Niki Bergner (28) hat dem Arzt Bilder aus einem früheren Leben vor 200 Jahren geschildert. Sie sah ein kleines Mädchen, das vor einer Hütte zwischen riesigen Holzstößen spielt und Steinchen in den Bach wirft. Und plötzlich behauptet die Hypnotisierte: »Das ist Erika. Ja, ich heiße Erika. Ich bin gerade drei Jahre alt. Meine Mutter ist in der Hütte. Einen Vater habe ich nicht.« Und dann erzählte sie, die vormals Erika hieß, von ihrem beschwerlichen Leben als Dienstmagd, vom frühen Altern schon mit 40 Jahren, von ihrem 14jährigen Siechtum – sie war fast völlig gelähmt – und schließlich vom qualvollen Sterben.

Danach also kam der Augenblick, in dem sich, ihrer Schilderung nach, die Seele vom Körper trennte, als würde sie den unbrauchbar gewordenen Leib ganz einfach wie ein schäbiges Kleid ablegen. Und vergessen.

Niki Bergner wird unruhig. »Ich muss zurück. Ich bekomme wieder einen Körper. Da ist halt so. Ich muss wieder leben.«

»Ist das unangenehm? Was empfindest du?«

»Ich habe Angst. Ich weiß, es wird wieder schwierig.«

Und dann, verstört und gepeinigt, die Stimme klingt gepresst: »Oh, das zieht. Das zerrt an mir, als wäre ich in einen riesengroßen Staubsauger geraten. Ich werde winzig klein. Ganz winzig.« Und schließlich, erlöst: »Ich bin wieder da. Ich habe wieder Eltern bekommen …«

Da behauptet also ein Mensch nicht nur, er habe schon mehrfach gelebt, sondern dazwischen auch miterlebt, was mit seinem toten Körper gemacht wurde und wie die Angehörigen trauerten. Er habe gewusst, was sie nach seinem Tod dachten und empfanden. Er wäre also noch dagewesen und habe alles wahrgenommen.

Und er habe auch bereits vor seiner nächsten Zeugung existiert und sie bewusst miterlebt. Vor dem eigenen Leben soll das Wissen dagewesen sein, dass es wiederum schwierig werden wird.

Niki Bergner ist keineswegs die erste und einzige Frau, die in Hypnose vom Jenseits berichtete – vom Leben zwischen dem Leben. Das Verblüffende an solchen Schilderungen ist:

Sie gleichen einander fast wie ein Ei dem anderen. Und ganz offenbar entspringen sie nicht irgendwelchen Phantasiegebilden, denn mit den üblichen Vorstellungen haben sie überhaupt nichts zu tun. Es ist – wie schon in der Bibel gesagt wird – alles ganz anders. So anders, dass die Hypnotisierten ebenso wie die ehemals »Toten« erhebliche Mühe haben, sich verständlich zu machen. »Man ist einfach«, sagt der eine. »Es tut nichts weh, man hat keinen Kummer, alles ist harmonisch.« Andere erklären: »Man fühlt sich wohl. Man schwebt. Man kann sein, wo man will. Kaum hat man an einen Ort gedacht, dann ist man auch schon dort.«

Alle berichten übereinstimmend: Man kann hören und sehen. Man blickt in die Vergangenheit und in die Zukunft. Doch das, was auf der Erde passiert, kümmert einen praktisch nicht mehr. Hass, Liebe, Mitleid, Freude, Trauer oder Bedauern über begangene Fehler, das alles gibt es nicht. Das gehört der Vergangenheit an.

»Das Leben im Körper ist vorbei. Jetzt, da drüben, gibt es weder Höhen noch Tiefen. Alles ist ausgewogene Harmonie«, so schildert es eine Frau in der Hypnose.

»Dann ging ich in den großen Raum«

Nach der Trennung von Körper und Seele, so wird häufig gesagt, bleibt der Verstorbene noch für eine gewisse Zeit in seiner bisherigen Umgebung.

Virginia Tighe, die amerikanische Hausfrau, die in der Hypnose erzählte, sie hätte vor hundert Jahren als Bridey Murphy in Irland gelebt, berichtet über ihr jenseitiges Leben: »Als ich gestorben war, tat ich nicht, was mir der Pfarrer, Father John, angekündigt hatte. Ich fuhr nicht ins Fegefeuer. Ich blieb zu Hause. Bei meinem Mann Brian. Ich sah, wie sie meinen Leib verscharrten. Ich schaute einfach zu. Eine Zeit gab es für mich nicht mehr. Weder Tag noch Nacht. Ich blieb, bis Father John starb. Er besuchte meinen Mann häufig. Ich wollte Brian immer sagen, dass er keine Angst vor dem Sterben haben soll. Aber er hörte ja nicht hin. Er fürchtete sich vor dem Tod, weil er meinte, er hätte nicht genug gebetet. Ich ging dann weg von ihm. Heim nach Cork. Ich sah meinen Bruder. Er lebte noch. Ich stellte mich neben sein Bett und sprach zu ihm. Aber er sah mich auch nicht. Und dann ging ich. In den großen Raum. Da waren viele Menschen. Wir warteten auf das nächste Leben …«

»Ich habe über 1000 Menschen geholfen zu sterben. Alle diese ›Todesfälle‹ ereigneten sich in meiner Praxis. Manchmal starb ein Patient innerhalb einer Sitzung von 50 Minuten Dauer drei- oder viermal – jedes Mal als ein anderer. Aber dieser ›andere‹ war stets er selbst in einer früheren Verkörperung«, sagt die kalifornische Psychotherapeutin Dr. Edith Fiore.

Und sie bekennt: »Die Wiederholung des Sterbens in der Hypnose ist für die meisten keine Kleinigkeit. Manche Patienten zeigten eine große Furcht davor.«

Als besonders auffallend bezeichnet Dr. Fiore die Tatsache, dass das Bewusstsein ohne jeden Bruch über die Schwelle des körperlichen Todes hinweggeht und weiterbesteht.

Und eine zweite Tatsache scheint ihr bemerkenswert: Vom Moment des Todes an ist jede Belastung, jede Behinderung, jeder Schmerz weggefallen. Geradezu erlöst sagt der Hypnotisierte, der in seinem zu Ende gegangenen Leben erstickt ist: »Ah, jetzt kann ich wieder atmen.«

Manche Verstorbenen weinen, wenn sie auf die Szene zurückblicken, die sie unter sich sehen. Doch sie sind nicht über den eigenen Tod traurig, sondern sie grämen sich nur, weil die Zurückgebliebenen Schmerz empfinden. Sie selbst fühlen sich unendlich wohl. Sie schweben. Alles ist leicht, harmonisch, schön. Der Übergang vom Leben in den Tod war – nach allen Schrecken des Sterbens – ein »sanftes Hinübergleiten«.

Und dann hören sie – genau wie jene, die klinisch tot waren und über ihre Erlebnisse in diesem »Tod« erzählen konnten – laute Geräusche, Glockenläuten, himmlische Klänge. Sie sehen die Helligkeit und fühlen sich überhaupt nicht einsam oder verlassen.

Roger, der als Ritter William zur Zeit des englischen Königs Heinrich VII. beim Turnier getötet wurde, berichtet:

»Das ist, als ginge eine wohlige Wärme durch meine Adern, durch meinen ganzen Körper. Ich sehe ein weißes Licht und schwebe davon. Mit dem Gesicht nach unten, so wie ich dagelegen habe, schwebe ich, zuerst einen Meter hoch und dann immer höher davon – Ich bin schon tot – Ich bin hineingeworfen in einen Strom von Licht und fühle mich augenblicklich überaus glücklich – Das ist wunderbar. Das ist gut –«

Nur zwei Seiten desselben Lebens?

Manchmal erzählen Hypnotisierte auch, sie würden »drüben« von Verwandten, Bekannten, Freunden bereits erwartet und freudig begrüßt. Gelegentlich wird dem Verstorbenen auch ein Begleiter zugeordnet, der ihn betreut und führt, damit er sich nicht verloren vorkommt.

Leben und Sterben – ist das vielleicht wie Schlafen und Wachsein? Im Grunde ein und dasselbe – nur in verschiedenen Formen? Ist der Mensch, wenn sein Körper stirbt, überhaupt nicht tot, sondern nur in einen anderen Lebenszustand hinübergewechselt? Lebt er ohne Körper weiter, bis er erneut geboren wird?

Manche Forscher sind überzeugt davon und versuchen heute, die Beweise für das zu finden, was östliche Religionen seit Jahrtausenden für wahr halten.

So etwa der Leiter des Münchner Instituts für Außerordentliche Psychologie, der Psychotherapeut Dethlefsen. Er meint:

Vielleicht gibt es seit Anfang der Welt eine gleichbleibende Anzahl von Seelen. Manchmal wären dann eben mehr »drüben«, manchmal, wie gerade in unseren Tagen, lebten mehr im Diesseits in einem Körper.

Dethlefsen glaubt beobachtet zu haben, dass die Zwischenräume zwischen den verschiedenen Inkarnationen in jüngster Zeit immer kürzer werden. Während früher ein paar Jahrhunderte vergingen, ehe ein Mensch wiedergeboren wurde, soll es heute in der Regel nur noch ein paar Jahre, höchstens Jahrzehnte dauern.

»Drüben« – aber nicht im Himmel

Eines wird aus den Berichten wie schon bei Serge Lama ganz deutlich: Das Leben »drüben« ohne Körper dürfte nicht mit der ewigen Seligkeit gleichgesetzt werden. Diese wäre wiederum etwas völlig anderes und käme erst danach, am »Jüngsten Tag«, wenn alles irdische Leben zu Ende gegangen ist. Dann, wenn der gesamte Kosmos seine Vollendung erfährt.

Denkt man solche Vorstellungen zu Ende, dann ist damit nur anders, moderner ausgedrückt, was auch die christlichen Kirchen schon immer gelehrt haben: Vor dem ewigen Leben steht das »Fegefeuer«, ein Zustand zwischen irdischem Dasein und der Seligkeit im Himmel.

Ist jenes Fegefeuer nichts anderes als der »Warteraum« zu einer neuen Wiedergeburt? Ein Zustand, in dem es weder Zeit noch Entfernungen gibt? Die Erkenntnis einer Seele, dass sie für die Seligkeit noch nicht reif ist? Zeigt die moderne Forschung, dass letztlich zwischen den großen Weltreligionen im Gegensatz zu allen bisherigen Vorstellungen kein wesentlicher Unterschied besteht?

»Hinabgestiegen in das Reich der Toten«, heißt es im christlichen Glaubensbekenntnis. Jesus, das wird damit gesagt, ist nach seinem Tod am Kreuz drei Tage lang »drüben« gewesen, ehe er zu Ostern von den Toten auferstand. Nicht im Himmel, irgendwo sonst. Die Himmelfahrt fand erst 40 Tage nach Ostern statt.

Was ist aber das »Reich der Toten«? Wo war die Seele Christi zwischen Karfreitag und Ostersonntag?

Früher hieß es im Glaubensbekenntnis: »Abgestiegen zur Hölle.« Diese wörtliche Übersetzung des griechischen Textes – offenbar eine Anspielung auf die »Unterwelt«, in der die Seelen nach vorchristlicher Vorstellung dahindämmern – ist erst in unseren Tagen korrigiert worden.

»Er wird wiederkommen, zu richten die Lebenden und die Toten«, heißt es weiter, ebenfalls im Glaubensbekenntnis. Wer sind die Toten? Jene, die gerade »drüben«, also nicht in einem Körper leben? Normalerweise nimmt man doch an, dass der Verstorbene direkt vor das Angesicht Gottes treten muss und dann sofort erfährt, ob er verdammt ist, ins Fegefeuer muss oder bereits in den Himmel darf. Auch die Formulierung deutet deshalb darauf hin, dass damit nicht jene Menschen gemeint sind, die am Jüngsten Tag noch leben und die anderen, die bereits verstorben sind. Vielleicht jene, die momentan ohne Körper leben?

Details

Seiten
Erscheinungsform
Neuausgabe
Erscheinungsjahr
2013
ISBN (eBook)
9783942822244
DOI
10.3239/9783942822244
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2013 (Februar)
Schlagworte
Hypnose Therapie Heilung durch Hypnose Vergangenheit Erinnern Wiedergeburt Heilung Kurt Allgeier Du hast schon einmal gelebt
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Titel: Du hast schon einmal gelebt
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